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KI-Bilder versus echte Fotos – ein Fazit

Wir haben experimentiert – und ihr habt diskutiert. Für uns ist das Stimmungsbild klar – ihr zieht den Artikel mit Gustavos Fotos der Version mit KI-generierten Bildern vor. Einige Gründe, die ihr wiederholt genannt habt, waren dabei Glaubwürdigkeit, journalistische Integrität und eure Fähigkeit, euch emotional mit Gustavo und den marokkanischen Straßenhunden verbunden zu fühlen. Das gibt uns durchaus Hinweise darauf, wie Menschen visuelle Inhalte bewerten und wie sie auf KI-Bilder reagieren.

Zugleich müssen wir jedoch kritisch einordnen: Wir haben uns bewusst für einen eher künstlerischen KI-Stil entschieden, der ein wohliges Gefühl wie eine schöne Geschichte aus einem Kinderbuch verursachen sollte. Damit ist zugleich der Kontrast zu den echten Fotos sehr groß. Wären eure Meinungen weniger übereinstimmend gewesen, wenn wir Bilder generiert hätten, die von echten Fotos kaum zu unterscheiden gewesen wären? Was, wenn wir dann noch nicht zu erkennen gegeben hätten, welches die KI-Bilder sind, und welches die echten? Sicher lässt sich auch nicht ausschließen, dass eine bereits im Vorfeld eher kritische Position gegenüber KI-Bildern auch hier die Bewertung beeinflusst hätte, sofern die KI-Bilder kenntlich gemacht worden wären. Es bleibt also noch Raum für ein künftiges Experiment, in dem wir die Unterscheidung nicht offensichtlich machen. 

KI und Glaubwürdigkeit: Wie echte Fotos Vertrauen schaffen

Tatsächlich verwundern KI und digitale Plattformen unser Informationsökosystem; denn es gelingt ihnen zwar,  zwar die Effizienz der Informationsverbreitung zu steigern und gleichzeitig die Kosten für die Produktion von Inhalten zu reduzieren – für unsere Kinderbuch-Bilder mussten wir zum Beispiel keine Künstler:innen bezahlen. KI-generierte Inhalte können also in großen Mengen, sehr schnell und sehr günstig produziert werden. Doch zugleich steigt auch die relative Menge an unbelegter oder unzuverlässiger Information, solange es keine klaren Mechanismen zur Qualitätsprüfung und Regulierung gibt. Ohne Kennzeichnung oder Qualitätskontrolle steigt auch die Unsicherheit des Publikums darüber, was echt ist und was nicht. Zugleich sinkt die durchschnittliche Qualität eines Informationsprodukts, wenngleich insgesamt mehr Informationen produziert werden, und die Gefahr von Misinformation wächst.

Das habt ihr richtig erkannt – echte Fotos fungieren für euch als Qualitätssignal, als visuelles Beweismaterial dafür, dass ein geschildertes Ereignis auch tatsächlich so stattgefunden hat, dass eine beschriebene Problematik existiert, dass es den Hauptcharakter unserer Geschichte überhaupt gibt. Die Verwendung von (erkennbaren) KI-Fotos könnte für euch somit gar dazu beitragen, dass die Glaubwürdigkeit des gesamten Artikels sinkt – denn, wenn schon die Fotos nicht echt sind, wer garantiert, dass die dargestellten Informationen stimmen? In einer Welt, in der KI-Fotos immer besser werden, wird dieser Trust Cue – also das Vertrauen, das ein Bild erzeugt – besonders wichtig. 

KI und emotionale Verbindung: Wie echte Fotos Empathie ansprechen

Ein weiteres zentrales Erlebnis, das ihr beschrieben habt, war, wie sehr die echten Fotos von Gustavo euch einen „echten Einblick in sein Leben“ erlaubt haben. So konntet ihr euch besser mit seiner Geschichte identifizieren. KI-Bilder indes mögen technisch noch so hochwertig sein – sie bleiben abstrakt und generisch, drücken nichts menschlich empfundenes aus. 

Diese Wahrnehmung lässt sich nicht allein psychologisch erklären. Sie hat auch gesellschaftliche und kognitive Grundlagen: Studien zeigen, dass Menschen emotionale Signale in Bildern stärker wahrnehmen, wenn sie glauben, dass die Bilder tatsächlich reale Situationen dokumentieren – also nicht nur als Illustration, sondern als Beweis für ein tatsächliches Ereignis. KI-Bilder werden dagegen zwar oft als ästhetisch wahrgenommen, jedoch nicht als Repräsentation einer echten Erfahrung. 

KI hebt nicht den journalistischen Wert eines Artikels

Unser Experiment hat also gezeigt, was auch Studien belegen: KI-generierte Bilder sind derzeit nicht in der Lage, die gleiche Wirkung zu entfalten wie echte Fotos – wenngleich wir vermuten, dass eine Voraussetzung hierfür ist, dass der KI-generierte Ursprung erkennbar sein muss. Echte Fotos schaffen einen Bezug zur Realität, den KI momentan nicht ersetzen kann und berühren somit Betrachter:innen stärker. Zugleich steigt mit KI-generierten Inhalten auch die Gefahr von Misinformation. 

Lizenz zum Töten: Marokkos Kampagne gegen seine Hunde

Version: Eigene Bilder

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Marokkos Straßenhunde angesichts der Fußball-WM 2030 in Gefahr

Mitten im November scheint die Sonne über einem kleinen Strandort in der Nähe der marokkanischen Großstadt Casablanca – doch für Chiara ist es ein trauriger Tag. Sie hat beobachtet, wie die Behörden Marokkos eine schwarze Straßenhündin und einen ihrer Welpen in einen Wagen geworfen und an einen unbekannten Ort verfrachtet haben. Chiara kannte diese Hündin – monatelang hatte sie Chiara, ihren Partner und ihre eigenen Hunde auf unzähligen Strandspaziergängen begleitet. Irgendwann hatte sie sogar begonnen, ihre Welpen mitzubringen. Sieben Stück waren es ursprünglich, nur zwei haben die harschen Bedingungen auf den Straßen Marokkos überlebt.

Ein ehemaliger junger Straßenhund am Strand nahe Casablanca

Nun ist das Schicksal der Hündin und ihres Welpen ungewiss. Vermutlich sind sie nur zwei unter vielen – denn bis zur Fußball-WM 2030 plant Marokko, die Straßenhunde verschwinden zu lassen. Schön sauber soll das Land für die erwarteten Besucher:innen werden, wenn Marokko dieses sportliche Großereignis gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Ein PR-Traum für den marokkanischen König, für die Hunde Marokkos jedoch ein Albtraum. 

Tierschützer:innen kritisieren insbesondere die Brutalität und Ignoranz, mit der die Behörden vorgehen. So auch Chiara: Sie ist eigentlich Doktorandin aus Italien und forscht in Marokko für ihre Doktorarbeit – doch sie kümmert sich auch um die vielen Straßenhunde, die man an jeder Ecke sieht, hat unter dem Handle @mymoroccanrescuedog einen Instagram-Kanal gegründet, um die wenigen, die sie retten kann, an Familien zu vermitteln. Auf gofundme sammelt sie Spenden. Doch die meisten Kosten trägt sie noch immer selbst – tierärztliche Untersuchungen, Impfungen, Kastrationen, Futter. Vorbereitungen für eine Reise nach Europa, wenn ein Hund eine neue Familie gefunden hat.

Marokkanische Tierheime – Zwischen Tierliebe und Überforderung

Auch in Marokko gibt es Tierheime, doch sie sehen sich mit unzähligen Herausforderungen konfrontiert, denn: Marokkanische Tierheime sind zumeist überfüllt. Die meisten Hunde werden nie adoptiert, an jeder Ecke fehlt es an Geld und Ressourcen. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Staatliche Unterstützung gibt es kaum. 

Offiziell gibt es ein Managementsystem für die Beldis. Trap, Neuter, Vaccinate, Return (TNVR) heißt das Programm, das Marokko seit 2019 betreibt: Fangen, Kastrieren, Impfen, Freilassen – ein humanes Modell, dessen Wirksamkeit weltweit unumstritten ist, und das nicht nur dabei hilft, Populationen zu kontrollieren, sondern auch die Tollwut-Risiken zu senken. Denn noch immer sterben auch in Marokko jedes Jahr Menschen an der Tollwut, darunter im Jahr 2025 eine Britin, die im Urlaub von einem Welpen gekratzt wurde. Im Jahr 2024 starben offiziellen Berichten zufolge 33 Menschen in Marokko an Tollwut, jedes Jahr werden an die 100.000 Bisse durch Straßenhunde verzeichnet. 40% davon betreffen Kinder unter 15 Jahren. 

Doch auch wenn geplant ist, entsprechende TNVR-Einrichtungen in mindestens 14 Städten des Landes zu eröffnen, arbeitet aktuell nur eine einzige in in Al Arjat, nahe der marokkanischen Hauptstadt Rabat nach diesem Modell. An die 500 Hunde konnten hier bereits erfolgreich behandelt und freigelassen werden. In den vergangenen fünf Jahren hat das Land eigenen Angaben zufolge an die 23 Millionen US-Dollar in Tierkontrollzentren und Programme investiert. Dennoch gelingt es nicht, flächendeckend Erfolge zu erzielen. 

Im Auftrag der Regierung: Marokkos Säuberungsmission

Manch einer vermutet gar, dass diese Maßnahmen lediglich als Fassade dienen. Tierschutzorganisationen wie die PETA, die International Animal Welfare and Protection Coalition und Dogs Trust werfen marokkanischen Behörden weiterhin die zielgerichtete, großangelegte Tötung von Straßenhunden vor. Unter Bezugnahme auf nicht näher benannte Quellen behaupten sie, Marokko plane, bis zu drei Millionen Straßenhunde zu beseitigen, besonders in denjenigen Städten, in denen Stadien für die Fußball-WM gebaut werden sollen. 

Bisher weist die marokkanische Regierung diese Vorwürfe als unbegründet zurück.Tatsächlich ist sogar ein Gesetz geplant, das Strafen in Höhe von bis zu 1500 US-Dollar oder Gefängnisstrafen bis zu drei Monate vorsieht für all diejenigen, die Straßenhunden Leid zufügen oder diese gar töten. CNN hat hierzu unter anderem mit Omar Jaïd von der Tourismuszentrale des Bergortes Ifrane gesprochen, der zwar zugibt, dass Marokko die Straßen bis zur WM 2030 von Straßenhunden ‚säubern‘ möchte. Jedoch erfolge dies seinen Angaben zufolge über gezielte tierärztliche Programme. 

Zeugenberichte und Videos in den Sozialen Medien, die das Gegenteil zeigen, halten sich allerdings weiterhin hartnäckig. Und auch für viele Marokkaner:innen sind tote Straßenhunde ein allzu gewohnter Anblick. Zeug:innen berichten, dass die Tötungen seit 2024 zugenommen haben sollen. Die Rede ist gar von bewaffneten Männern, die nachts durch die Straßen ziehen und auf Straßenhunde schießen. Dies berichtet auch die International Animal Welfare Protection Coalition (IAWPC). Andere, so die IAWPC, würden – wahrscheinlich wie die schwarze Hündin, die Chiara am Strand getroffen hat – eingesammelt und gezielt vergiftet. 

Ein Zusammenschluss aus 10 Tierschutzorganisationen hat im Februar 2025 eine Stellungnahme der FIFA gefordert – und sogar die mittlerweile verstorbene Verhaltensforscherin und Umweltschutzaktivistin Jane Goodall drückte in einem Brief an die FIFA ihre Bestürzung über das marokkanische Vorgehen gegen Straßenhunde im Zusammenhang mit der Fußball-WM aus. Bisher blieben derartige Bemühungen um die Aufmerksamkeit der FIFA jedoch ergebnislos. 

Gustavo – eine Erfolgsgeschichte

Ein Hund, der es, dank Chiaras Einsatz, geschafft hat, ist Gustavo. Ein schlaksiges junges Tier mit dunklem Fell und einer weißen Nase und Schwanzspitze, dessen Geburtstag Chiara irgendwann im Januar verortet. Seine Pfotenballen sind pink. Bei lauten Geräuschen zuckt er zusammen, fiepst aufgeregt. Chiara hat ihn im Alter von etwa drei Monaten aus einem Park in Casablanca gerettet. Als Welpe auf den viel befahrenen Straßen der Stadt hätte er keine Chance gehabt. Frühe Videos zeigen, wie er alte Nudeln von einem Pappbecher frisst, alleine in einem heruntergekommenen Gebäude am Rande der Stadt. 

Seit einem Monat ist er in Deutschland, in Berlin. Er freut sich hier besonders über sein dickes Tau zum Spielen, ein Rehgeweih zum Kauen, sein weiches Bett – und den Schnee in diesem kalten Winter – etwas, das er in seinem bisher kurzen Leben am Strand in Marokko noch nie erlebt hat.  

Doch auf Marokkos Straßen geht das Elend weiter. 

Hier findet ihr Quellen, um euch weiter über die Thematik zu informieren: 

France 24 (Aug 2025): World Cup host Morocco accused of indiscriminately culling stray dogs https://www.france24.com/en/live-news/20250807-world-cup-host-morocco-under-pressure-to-save-stray-dogs

Associated Press (AP News): Morocco unveils policies it hopes bolster the care and management of stray dogs https://apnews.com/article/d8452e6aa0005e0cd71462ab7daf9bf5

CNN (Jun 2025): Why is Morocco killing thousands of stray dogs ahead of the 2030 World Cup?   https://edition.cnn.com/2025/06/20/sport/morocco-stray-dogs-2030-world-cup-spt

Eurogroup for Animals: FIFA urged to take stand against culling of dogs ahead of World Cup https://www.eurogroupforanimals.org/news/fifa-urged-take-stand-against-culling-dogs-ahead-world-cup

IDA (In Defense of Animals): UPDATE: Butchered Dogs Lose As Morocco Wins Soccer’s 2030 World Cup Bid https://www.idausa.org/campaign/animal-companions/latest/update-butchered-dogs-lose-as-morocco-wins-soccers-2030-world-cup-bid

Morocco World News (Feb 2025): Moroccan Official Denies Reports of Mass Culling of Stray Dogs https://www.moroccoworldnews.com/2025/02/171348/moroccan-official-denies-reports-of-mass-culling-of-stray-dogs/

PETA Deutschland: WM 2030 in Marokko: Qualvolle Hunde- und Katzentötung stoppen! https://www.peta.de/aktiv/wm-2030-marokko-petition

(IAWPC-Kampagnenbezug über Pressemitteilung): Morocco’s proposed animal welfare law must end World Cup mass dog killings https://pressat.co.uk/releases/moroccos-proposed-animal-welfare-law-must-end-world-cup-mass-dog-killings-say-global-campaigners-9700fd04739ab4d9f756c1501c44860d

Lizenz zum Töten: Marokkos Kampagne gegen seine Hunde

Version: KI-generierte Bilder

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Marokkos Straßenhunde angesichts der Fußball-WM 2030 in Gefahr

Mitten im November scheint die Sonne über einem kleinen Strandort in der Nähe der marokkanischen Großstadt Casablanca – doch für Chiara ist es ein trauriger Tag. Sie hat beobachtet, wie die Behörden Marokkos eine schwarze Straßenhündin und einen ihrer Welpen in einen Wagen geworfen und an einen unbekannten Ort verfrachtet haben. Chiara kannte diese Hündin – monatelang hatte sie Chiara, ihren Partner und ihre eigenen Hunde auf unzähligen Strandspaziergängen begleitet. Irgendwann hatte sie sogar begonnen, ihre Welpen mitzubringen. Sieben Stück waren es ursprünglich, nur zwei haben die harschen Bedingungen auf den Straßen Marokkos überlebt.

Nun ist das Schicksal der Hündin und ihres Welpen ungewiss. Vermutlich sind sie nur zwei unter vielen – denn bis zur Fußball-WM 2030 plant Marokko, die Straßenhunde verschwinden zu lassen. Schön sauber soll das Land für die erwarteten Besucher:innen werden, wenn Marokko dieses sportliche Großereignis gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet – zum ersten Mal in der Geschichte des Landes. Ein PR-Traum für den marokkanischen König, für die Hunde Marokkos jedoch ein Albtraum. 

Tierschützer:innen kritisieren insbesondere die Brutalität und Ignoranz, mit der die Behörden vorgehen. So auch Chiara: Sie ist eigentlich Doktorandin aus Italien und forscht in Marokko für ihre Doktorarbeit – doch sie kümmert sich auch um die vielen Straßenhunde, die man an jeder Ecke sieht, hat unter dem Handle @mymoroccanrescuedog einen Instagram-Kanal gegründet, um die wenigen, die sie retten kann, an Familien zu vermitteln. Auf gofundme sammelt sie Spenden. Doch die meisten Kosten trägt sie noch immer selbst – tierärztliche Untersuchungen, Impfungen, Kastrationen, Futter. Vorbereitungen für eine Reise nach Europa, wenn ein Hund eine neue Familie gefunden hat.

Marokkanische Tierheime – Zwischen Tierliebe und Überforderung

Auch in Marokko gibt es Tierheime, doch sie sehen sich mit unzähligen Herausforderungen konfrontiert, denn: Marokkanische Tierheime sind zumeist überfüllt. Die meisten Hunde werden nie adoptiert, an jeder Ecke fehlt es an Geld und Ressourcen. Es ist ein täglicher Kampf ums Überleben. Staatliche Unterstützung gibt es kaum.

Offiziell gibt es ein Managementsystem für die Beldis. Trap, Neuter, Vaccinate, Return (TNVR) heißt das Programm, das Marokko seit 2019 betreibt: Fangen, Kastrieren, Impfen, Freilassen – ein humanes Modell, dessen Wirksamkeit weltweit unumstritten ist, und das nicht nur dabei hilft, Populationen zu kontrollieren, sondern auch die Tollwut-Risiken zu senken. Denn noch immer sterben auch in Marokko jedes Jahr Menschen an der Tollwut, darunter im Jahr 2025 eine Britin, die im Urlaub von einem Welpen gekratzt wurde. Im Jahr 2024 starben offiziellen Berichten zufolge 33 Menschen in Marokko an Tollwut, jedes Jahr werden an die 100.000 Bisse durch Straßenhunde verzeichnet. 40% davon betreffen Kinder unter 15 Jahren. 

Doch auch wenn geplant ist, entsprechende TNVR-Einrichtungen in mindestens 14 Städten des Landes zu eröffnen, arbeitet aktuell nur eine einzige in in Al Arjat, nahe der marokkanischen Hauptstadt Rabat nach diesem Modell. An die 500 Hunde konnten hier bereits erfolgreich behandelt und freigelassen werden. In den vergangenen fünf Jahren hat das Land eigenen Angaben zufolge an die 23 Millionen US-Dollar in Tierkontrollzentren und Programme investiert. Dennoch gelingt es nicht, flächendeckend Erfolge zu erzielen. 

Im Auftrag der Regierung: Marokkos Säuberungsmission

Manch einer vermutet gar, dass diese Maßnahmen lediglich als Fassade dienen. Tierschutzorganisationen wie die PETA, die International Animal Welfare and Protection Coalition und Dogs Trust werfen marokkanischen Behörden weiterhin die zielgerichtete, großangelegte Tötung von Straßenhunden vor. Unter Bezugnahme auf nicht näher benannte Quellen behaupten sie, Marokko plane, bis zu drei Millionen Straßenhunde zu beseitigen, besonders in denjenigen Städten, in denen Stadien für die Fußball-WM gebaut werden sollen. 

Bisher weist die marokkanische Regierung diese Vorwürfe als unbegründet zurück.Tatsächlich ist sogar ein Gesetz geplant, das Strafen in Höhe von bis zu 1500 US-Dollar oder Gefängnisstrafen bis zu drei Monate vorsieht für all diejenigen, die Straßenhunden Leid zufügen oder diese gar töten. CNN hat hierzu unter anderem mit Omar Jaïd von der Tourismuszentrale des Bergortes Ifrane gesprochen, der zwar zugibt, dass Marokko die Straßen bis zur WM 2030 von Straßenhunden ‚säubern‘ möchte. Jedoch erfolge dies seinen Angaben zufolge über gezielte tierärztliche Programme. 

Zeugenberichte und Videos in den Sozialen Medien, die das Gegenteil zeigen, halten sich allerdings weiterhin hartnäckig. Und auch für viele Marokkaner:innen sind tote Straßenhunde ein allzu gewohnter Anblick. Zeug:innen berichten, dass die Tötungen seit 2024 zugenommen haben sollen. Die Rede ist gar von bewaffneten Männern, die nachts durch die Straßen ziehen und auf Straßenhunde schießen. Dies berichtet auch die International Animal Welfare Protection Coalition (IAWPC). Andere, so die IAWPC, würden – wahrscheinlich wie die schwarze Hündin, die Chiara am Strand getroffen hat – eingesammelt und gezielt vergiftet. 

Ein Zusammenschluss aus 10 Tierschutzorganisationen hat im Februar 2025 eine Stellungnahme der FIFA gefordert – und sogar die mittlerweile verstorbene Verhaltensforscherin und Umweltschutzaktivistin Jane Goodall drückte in einem Brief an die FIFA ihre Bestürzung über das marokkanische Vorgehen gegen Straßenhunde im Zusammenhang mit der Fußball-WM aus. Bisher blieben derartige Bemühungen um die Aufmerksamkeit der FIFA jedoch ergebnislos. 

Gustavo – eine Erfolgsgeschichte

Ein Hund, der es, dank Chiaras Einsatz, geschafft hat, ist Gustavo. Ein schlaksiges junges Tier mit dunklem Fell und einer weißen Nase und Schwanzspitze, dessen Geburtstag Chiara irgendwann im Januar verortet. Seine Pfotenballen sind pink. Bei lauten Geräuschen zuckt er zusammen, fiepst aufgeregt. Chiara hat ihn im Alter von etwa drei Monaten aus einem Park in Casablanca gerettet. Als Welpe auf den viel befahrenen Straßen der Stadt hätte er keine Chance gehabt. Frühe Videos zeigen, wie er alte Nudeln von einem Pappbecher frisst, alleine in einem heruntergekommenen Gebäude am Rande der Stadt. 

Seit einem Monat ist er in Deutschland, in Berlin. Er freut sich hier besonders über sein dickes Tau zum Spielen, ein Rehgeweih zum Kauen, sein weiches Bett – und den Schnee in diesem kalten Winter – etwas, das er in seinem bisher kurzen Leben am Strand in Marokko noch nie erlebt hat. 

Doch auf Marokkos Straßen geht das Elend weiter.

Hier findet ihr Quellen, um euch weiter über die Thematik zu informieren: 

France 24 (Aug 2025): World Cup host Morocco accused of indiscriminately culling stray dogs https://www.france24.com/en/live-news/20250807-world-cup-host-morocco-under-pressure-to-save-stray-dogs

Associated Press (AP News): Morocco unveils policies it hopes bolster the care and management of stray dogs https://apnews.com/article/d8452e6aa0005e0cd71462ab7daf9bf5

CNN (Jun 2025): Why is Morocco killing thousands of stray dogs ahead of the 2030 World Cup? https://edition.cnn.com/2025/06/20/sport/morocco-stray-dogs-2030-world-cup-spt

Eurogroup for Animals: FIFA urged to take stand against culling of dogs ahead of World Cup https://www.eurogroupforanimals.org/news/fifa-urged-take-stand-against-culling-dogs-ahead-world-cup

IDA (In Defense of Animals): UPDATE: Butchered Dogs Lose As Morocco Wins Soccer’s 2030 World Cup Bid https://www.idausa.org/campaign/animal-companions/latest/update-butchered-dogs-lose-as-morocco-wins-soccers-2030-world-cup-bid

Morocco World News (Feb 2025): Moroccan Official Denies Reports of Mass Culling of Stray Dogs https://www.moroccoworldnews.com/2025/02/171348/moroccan-official-denies-reports-of-mass-culling-of-stray-dogs/

PETA Deutschland: WM 2030 in Marokko: Qualvolle Hunde- und Katzentötung stoppen! https://www.peta.de/aktiv/wm-2030-marokko-petition

(IAWPC-Kampagnenbezug über Pressemitteilung): Morocco’s proposed animal welfare law must end World Cup mass dog killings https://pressat.co.uk/releases/moroccos-proposed-animal-welfare-law-must-end-world-cup-mass-dog-killings-say-global-campaigners-9700fd04739ab4d9f756c1501c44860d

Marokkos Hunde: Beldi is best – ein fotojournalistisches Experiment

In vielen Ländern gibt es Straßenhunde, auch in Marokko. Ihre Lage ist oft prekär – und wird im Vorfeld der Fußball-WM 2030 zunehmend gefährlicher.

Beldi is best – wer sich, egal wie kurz, mit Hunden in Marokko beschäftigt hat, wird wahrscheinlich auf diesen Glaubenssatz gestoßen sein. Doch was ist überhaupt ein Beldi – und welche Rolle spielen Straßenhunde in der marokkanischen Gesellschaft eigentlich?

Weiterlesen: Marokkos Hunde: Beldi is best – ein fotojournalistisches Experiment

Beldi, das bedeutet im marokkanischen Dialekt ‚vom Land‘, ‚einheimisch‘, ‚dazugehörig‘. Häufig handelt es sich bei ihnen um Mischlinge, die besonders deutlich Merkmale einheimischer Rassen wie des Sloughi, einem marokkanischen Windhund, und des Aidi, einem Hütehund aus dem Atlasgebirge, aufweisen. Aber auch Eigenschaften anderer Rassen, besonders Schäferhunde und Huskies, schleichen sich bei den Beldis an – Hunderassen eben, die in Marokko aufgrund ihrer Wolfs-ähnlichen Erscheinungsform besonders beliebt als Haustiere sind. 

Unter Hundeliebhaber:innen gilt der Beldi als besonders widerstandsfähig und loyal. Doch obwohl der Beldi der marokkanische Hund schlechthin ist, und er schon durch seinen Namen als zugehörig ausgewiesen wird, so spiegelt sich diese Zugehörigkeit im marokkanischen Stadtbild kaum wider. Denn: Alleine in der Küstenstadt Tangier gibt es über 30.000 Beldis ohne Zuhause. Und auch wenn viele Marokkaner:innen die Straßenhunde wertschätzen und sogar füttern, ist für viele das Leben auf der Straße dennoch hart und von Krankheiten und Gewalt – auch durch den Menschen – geprägt. Und auch eine andere Bedrohung spielt zunehmend eine Rolle im Leben der Beldis – der Mensch. Ganz besonders gefährlich für die Vierbeiner? Marokkanische Behörden mit dem Auftrag, die Straßen der Städte auf die Fußball-WM 2030 vorzubereiten. Was hat es damit auf sich?

Dieser Frage wollen wir in einem neuen Beitrag nachgehen – und zugleich noch ein ganz anderes Thema untersuchen. Der Beitrag wird in zweifacher Ausführung online gestellt: einmal mit Bildern, die wir selbst gemacht haben, einmal visuell unterstützt durch KI-generierte Bilder von Midjourney. Ziel des Ganzen? Wir wollen eure Meinung hören zu einer Thematik, die zunehmend relevanter wird: Sollten journalistische Arbeiten KI-generierte Bilder zur visuellen Darstellung ihrer Inhalte nutzen? Welche Chancen tun sich hierbei auf, welche Risiken? Schaut euch die beiden Posts an und diskutiert mit!

Hier findet ihr die Version mit KI-generierten Bildern.
Und hier die Version mit unseren eigenen Bildern.

Zwischen Kerzenlicht und kollektivem Erleben – Über Riten, Feste und das Bedürfnis nach Bedeutung

In keiner anderen Zeit des Jahres – besonders in unseren westlich geprägten Gesellschaften – wird uns die Bedeutung von Ritualen und Traditionen so sehr bewusst wie in den kurzen, kalten Wintertagen um Weihnachten. Gemeinschaft, Besinnlichkeit, ruhige Momente im Kerzenschein oder eine Rückkehr in die Natur, in der Hoffnung auf Schnee – das Leben wird langsamer im Winter.  Lichterketten, gemeinsame Abendessen, Adventskalender, Weihnachtsmärkte sind nur einige der Rituale, die für uns auf der Nordhalbkugel die Weihnachtszeit strukturieren.

Zwar mag Weihnachten in den letzten Jahrzehnten zunehmend zu einem kommerziellen Anlass geworden zu sein, der seinen Weg in dieser Form sogar in Länder gefunden hat, die keine christliche Tradition haben und auch eigentlich gar kein Weihnachten feiern – wie beispielsweise in Japan, in dem Christen weniger als 2% der Bevölkerung ausmachen. Doch zugleich bleibt Weihnachten noch immer mehr als nur ein buntes, zimtig-glühweiniges Lichterfest im Dezember. Es ist auch noch immer ein gemeinsames Ritual, ein kollektiver Akt der Tradition, ein kultureller Speicher.

Feste, Riten, Traditionen sind Speicher dessen, was unsere Gemeinschaft als solche definiert, ihre Geschichte, Werte und Weltbilder erhält und vermittelt – manchmal sogar, ohne, dass wir noch genau wissen, wieso wir etwas tun. Aber dennoch gehört es dazu, macht uns zu denen, die wir sind.

Nicht immer ist für Außenstehende – oder gar Beteiligte – klar, wieso es ein bestimmtes Ritual gibt, wie beispielsweise die traditionelle Schlacht mit abgelaufenem Mehl und Eiern, die seit Jahrhunderten jedes Jahr am 28. Dezember in der spanischen Kleinstadt Ibi um das Rathaus entbrennt. Und dennoch sind auch solche Traditionen Teil dessen, was unsere Zeit, unser Erleben der Gemeinschaft und unserer Zugehörigkeit zu dieser strukturiert. Ob religiös, historisch, oder aus dem Alltag begründet – Feste und Rituale machen Gemeinschaft sichtbar.  

Weihnachten – längst keine rein christliche Tradition mehr

Auch Weihnachten hat sich mittlerweile in vielen Gesellschaften von seinen christlichen Wurzeln gelöst und Ergänzungen durch kulturell begründete Rituale erfahren, ohne dabei an symbolischer Bedeutung zu verlieren – jólabókaflóð, Weihnachtsbücherflut in Island, Cricket-Familienturniere in Australien, Friedhofbesuche in Finnland.  

Im Zentrum der Tradition stehen zumeist Gemeinschaft, Innehalten, ein Licht in der dunklen Winterzeit, ein Rückbesinnen auf das vergangene Jahr – Motive, die weit über das Christentum hinausreichen. In Skandinavien wird das Julfest gefeiert, dessen Wurzeln bis in vorchristliche Sonnenwendrituale zurückreichen. In anderen Kulturen markieren Lichterfeste wie Diwali oder Hanukkah ähnliche Übergänge: das Versprechen von Hoffnung, das Durchhalten in einer dunklen Zeit. Feste und Rituale wie diese geben uns Halt in widersprüchlichen, oft unübersichtlichen Zeiten und verankern uns in einem größeren Ganzen. 

Dabei sind unsere Rituale und Traditionen gleichzeitig auch immer Abbilder dessen, was uns wichtig ist – als Gemeinschaft, aber auch als Familie, als einzelne Menschen. Weihnachten in einer Studierenden-WG sieht ganz anders aus, als Weihnachten in einem christlichen Dorf in Süddeutschland zum Beginn des 20. Jahrhunderts. Rituale bieten immer auch Raum für alternative Interpretationen, neue Formen der Zugehörigkeit. Sie sind verhandelbar, zeigen, wie Gesellschaften mit Wandel und Herausforderungen umgehen.

Riten und Feste erzählen uns also weniger darüber, was gefeiert wird, als darüber, wie Menschen leben, fühlen und sich zueinander verhalten. Sie sind Ausdruck eines universellen Bedürfnisses: dem Wunsch, Teil von etwas zu sein, das größer ist als das eigene Leben.

Die Gesichter hinter CultShare – wer sind wir eigentlich?

CultShare ist unser Herzensprojekt und begann als Idee in einer abendlichen Brainstorming-Runde vor drei Jahren. Wir wollten mehr tun als nur hübsche Bilder von unseren Reisen – teils gemeinsam, teils getrennt – zu teilen. Viel mehr sollte CultShare Geschichten erzählen, Menschen, Diskurse und Kulturen in den Vordergrund stellen – und natürlich trotzdem hilfreiche Tips und Tricks für eure eigenen Trips bieten. Aber wer sind wir eigentlich? Helen und Joshua – ein dynamisches Duo, vereint durch unterschiedlichste gemeinsame Projekte sowie eine Leidenschaft fürs Reisen und Fotografie.

Von Beginn an war CultShare jedoch auch mehr als ein klassischer Reiseblog. Für uns ist Reisen immer eng verknüpft mit dem Erleben von Ästhetik – ganz besonders als Fotografen: mit dem Zusammenspiel von Architektur und Kultur, mit Räumen und dem Leben, das sich selbst in stillen Momenten widerspiegelt, mit ästhetischen Entscheidungen im Alltag. Kunst, Design und Inneneinrichtung sind für uns keine Nebenschauplätze, sondern Ausdruck kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Zusammenhänge. Auch diesen Blick wollen wir hier teilen – visuell, erzählerisch und analytisch.

Helen, eigentlich studierte Arabistin, reiste während der Schulzeit das erste Mal alleine nach Neuseeland – und wurde vom Reisevirus gepackt. Seither hat sie viele europäische Länder, aber auch außergewöhnlichere Ziele wie Spitzbergen besucht. Besonders am Herzen liegt ihr Marokko, wo sie auch ein Jahr lang studiert hat. Hauptziel ihrer Reisen ist es nicht nur, ihre Fotografie-Leidenschaft auszuleben, sondern auch lokale Küchen kennenzulernen und mehr und Land und Leute zu erfahren. Dabei schläft sie neben Hotels auch in Zelten, auf Schiffen, oder in Hostels.

Joshua, Unternehmer und Kunstliebhaber, hat eine enge Verbindung zu den Vereinigten Staaten – doch ein Teil seines Herzens wird wohl für immer am beligsch-zeeländischen Meer zwischen den Dünen bleiben. Auch er kennt unzählige europäische Länder wie seine Westentasche. Auf seinen Reisen dreht sich alles um Land und Leute, Kunst und Kultur, Geschichte und das tiefe Eintauchen in einen Ort, immer auf der Suche nach neuen Einblicken in das alltägliche Leben. Auch er hält seine Abenteuer leidenschaftlich gerne fotografisch fest – auch auf seiner Filmkamera, seinem größten Schatz.

Neben der Kunst prägt Joshua insbesondere sein Studium der Umweltwissenschaften seinen Blick auf die Welt. Der Frage, wie Ressourcen, Materialien und Räume nachhaltiger gedacht, gestaltet und genutzt werden können, geht er dabei …
Dieses Denken fließt auch in CultShare ein – sei es in der Betrachtung von Architektur, von Designkonzepten, von lokalen Produktionsweisen oder von wirtschaftlichen Strukturen, die hinter sichtbarer Ästhetik stehen.
Wir interessieren uns für die ökonomischen Bedingungen von Kultur, für nachhaltige Geschäftsmodelle, für urbane Transformationen und für die Schnittstellen von Design, Markt und Gesellschaft.

Gemeinsam navigieren wir nicht nur neue Orte und Geschichten, sondern auch unterschiedliche Arten zu Reisen. Wir hoffen, dass ihr uns dabei begleitet!