Wir haben experimentiert – und ihr habt diskutiert. Für uns ist das Stimmungsbild klar – ihr zieht den Artikel mit Gustavos Fotos der Version mit KI-generierten Bildern vor. Einige Gründe, die ihr wiederholt genannt habt, waren dabei Glaubwürdigkeit, journalistische Integrität und eure Fähigkeit, euch emotional mit Gustavo und den marokkanischen Straßenhunden verbunden zu fühlen. Das gibt uns durchaus Hinweise darauf, wie Menschen visuelle Inhalte bewerten und wie sie auf KI-Bilder reagieren.
Zugleich müssen wir jedoch kritisch einordnen: Wir haben uns bewusst für einen eher künstlerischen KI-Stil entschieden, der ein wohliges Gefühl wie eine schöne Geschichte aus einem Kinderbuch verursachen sollte. Damit ist zugleich der Kontrast zu den echten Fotos sehr groß. Wären eure Meinungen weniger übereinstimmend gewesen, wenn wir Bilder generiert hätten, die von echten Fotos kaum zu unterscheiden gewesen wären? Was, wenn wir dann noch nicht zu erkennen gegeben hätten, welches die KI-Bilder sind, und welches die echten? Sicher lässt sich auch nicht ausschließen, dass eine bereits im Vorfeld eher kritische Position gegenüber KI-Bildern auch hier die Bewertung beeinflusst hätte, sofern die KI-Bilder kenntlich gemacht worden wären. Es bleibt also noch Raum für ein künftiges Experiment, in dem wir die Unterscheidung nicht offensichtlich machen.
KI und Glaubwürdigkeit: Wie echte Fotos Vertrauen schaffen
Tatsächlich verwundern KI und digitale Plattformen unser Informationsökosystem; denn es gelingt ihnen zwar, zwar die Effizienz der Informationsverbreitung zu steigern und gleichzeitig die Kosten für die Produktion von Inhalten zu reduzieren – für unsere Kinderbuch-Bilder mussten wir zum Beispiel keine Künstler:innen bezahlen. KI-generierte Inhalte können also in großen Mengen, sehr schnell und sehr günstig produziert werden. Doch zugleich steigt auch die relative Menge an unbelegter oder unzuverlässiger Information, solange es keine klaren Mechanismen zur Qualitätsprüfung und Regulierung gibt. Ohne Kennzeichnung oder Qualitätskontrolle steigt auch die Unsicherheit des Publikums darüber, was echt ist und was nicht. Zugleich sinkt die durchschnittliche Qualität eines Informationsprodukts, wenngleich insgesamt mehr Informationen produziert werden, und die Gefahr von Misinformation wächst.
Das habt ihr richtig erkannt – echte Fotos fungieren für euch als Qualitätssignal, als visuelles Beweismaterial dafür, dass ein geschildertes Ereignis auch tatsächlich so stattgefunden hat, dass eine beschriebene Problematik existiert, dass es den Hauptcharakter unserer Geschichte überhaupt gibt. Die Verwendung von (erkennbaren) KI-Fotos könnte für euch somit gar dazu beitragen, dass die Glaubwürdigkeit des gesamten Artikels sinkt – denn, wenn schon die Fotos nicht echt sind, wer garantiert, dass die dargestellten Informationen stimmen? In einer Welt, in der KI-Fotos immer besser werden, wird dieser Trust Cue – also das Vertrauen, das ein Bild erzeugt – besonders wichtig.
KI und emotionale Verbindung: Wie echte Fotos Empathie ansprechen
Ein weiteres zentrales Erlebnis, das ihr beschrieben habt, war, wie sehr die echten Fotos von Gustavo euch einen „echten Einblick in sein Leben“ erlaubt haben. So konntet ihr euch besser mit seiner Geschichte identifizieren. KI-Bilder indes mögen technisch noch so hochwertig sein – sie bleiben abstrakt und generisch, drücken nichts menschlich empfundenes aus.
Diese Wahrnehmung lässt sich nicht allein psychologisch erklären. Sie hat auch gesellschaftliche und kognitive Grundlagen: Studien zeigen, dass Menschen emotionale Signale in Bildern stärker wahrnehmen, wenn sie glauben, dass die Bilder tatsächlich reale Situationen dokumentieren – also nicht nur als Illustration, sondern als Beweis für ein tatsächliches Ereignis. KI-Bilder werden dagegen zwar oft als ästhetisch wahrgenommen, jedoch nicht als Repräsentation einer echten Erfahrung.
KI hebt nicht den journalistischen Wert eines Artikels
Unser Experiment hat also gezeigt, was auch Studien belegen: KI-generierte Bilder sind derzeit nicht in der Lage, die gleiche Wirkung zu entfalten wie echte Fotos – wenngleich wir vermuten, dass eine Voraussetzung hierfür ist, dass der KI-generierte Ursprung erkennbar sein muss. Echte Fotos schaffen einen Bezug zur Realität, den KI momentan nicht ersetzen kann und berühren somit Betrachter:innen stärker. Zugleich steigt mit KI-generierten Inhalten auch die Gefahr von Misinformation.
















